Montag, Februar 08, 2010

Fremdschämen die Zwote ...

Wochenlang konnte man in Zeitungen und Zeitschriften über das vermeintliche 17-jährige literarische Wunderkind Helene Hegemann lesen, das auf Anhieb einen Bestseller gelandet hat. Tja, und was geht heute durch die Presse? Die Autorin war, nennen wir es "ein wenig sehr inspiriert", und das zum Teil wörtlich. Doch von Unrechtsbewusstsein keine Spur: "... meine Arbeitsweise aber total legitim und mache mir keinen Vorwurf, was vielleicht daran liegt, dass ich aus einem Bereich komme, in dem man auch an das Schreiben von einem Roman eher regiemäßig drangeht, sich also überall bedient, wo man Inspiration findet. Originalität gibt?s sowieso nicht, nur Echtheit."
Ich persönlich finde ja, alle bisherigen Käufer des Romans sollten ihn zurückschicken. Am besten direkt an die Autorin. Und alle potenziellen Käufer sollten ihr Geld lieber in originale Werke investieren.

Nachtrag: Peinlich, peinlich. Dieses Un-Werk ist doch tatsächlich immer noch für den Preis der Leipziger Buchmesse 2010 nomminiert. Na, ihr Hübschen, das solltet ihr mal rasch ändern, sonst kommen am Ende noch andere vermeintliche Wunderkinder auf die Idee, sich anderweitig inspirieren zu lassen.

6 Comments:

Blogger fym meint dazu ...

Es gibt aber keine originale Werke!!1

Viel lustiger finde ich ja die Aussage ihrer Verlegerin, diese Quasi-Rechtfertigung (und das alleinige Abwälzen auf Hegemann) darauf, dass die Autorin ja mit der Sharing-Kultur des Netzes großgeworden sei. Wunderbar- Und lustig, wenn ich im Geiste mal durchspiele, wie deren Verlag wohl reagierte, würden die Beteiligten dieser "Sharing-Kultur" einfach mal selbige in die Buchauswahl des Verlages zwingen? Wie sie darauf wohl reagieren würde? ;)

08 Februar, 2010 20:52  
Blogger Clio meint dazu ...

Na ja, aber es gibt zumindest Werke, bei denen der Inhalt (wenn auch nicht zwingend die Motive) tatsächlich auf dem Mist des Autors gewachsen ist. :-)

Und was die Rechtfertigung des Verlages angeht: Im Grunde gibt es ja da keine Rechtfertigung. Die Autorin hat geklaut. Punkt. Und wenn es bei Ullstein so ist wie in dem Verlag, für den ich tätig bin, dann steht in dem Autorenvertrag ein Passus, in dem der Autor erklärt, dass die Inhalte seines Buches in keiner Weise die Rechte anderer verletzen. Offenbar kann also diese angebliche Autorin weder schreiben noch lesen. ;-)

09 Februar, 2010 06:10  
Blogger fym meint dazu ...

Klar, davon hatte ich schon gelesen. Es ist doch aber gerade deshalb ein Abwälzen, eine Quasi-Rechtfertigung. Denn nur weil es diesen Passus im Vertrag gibt, würde ich doch trotzdem meinen, dass ein Verlag, der etwas auf sich hält, da selbst noch einmal tätig wird und (zumindest stichprobenartig) so einen Text dahingehend prüfen lässt. Oder nicht? Das mag ja formell, rechtlich, was auch immer alles korrekt sein auf Verlagsseite, aber so recht mit Ruhm bekleckern sie sich damit und eben jener Reaktion in meinen Augen nicht.

09 Februar, 2010 15:05  
Blogger Clio meint dazu ...

Nein, das kannst Du von einem Verlag nicht verlangen. Ich weiß nicht, wie es in anderen Verlagen ist - aber ich habe schlicht nicht die Zeit, rumzugoogeln und zu schauen, ob Absatz XX meines Buch nicht zufällig aus Buch YY stammt, dass u. U. vor zehn Jahren in einem Winzverlag veröffentlicht wurde. Das kann ein Verlag schlicht nicht leisten. Vor allem die großen Verlage nicht, bei denen im Halbjahr Dutzende von Büchern veröffentlicht werden.

10 Februar, 2010 10:29  
Blogger fym meint dazu ...

Hab ich mir ja auch überlegt, aber irgendwie mochte mir das Mehraufwandsargument schon selbst nicht 100%ig einleuchten, wenn ich z.b. an die inzwischen an Hochschulen eingesetzten Software"lösungen" denke, die Plagiate herausfiltern sollen. Sinn, Nutzen und Effektivität mal außen vorgelassen: Ich hätte schon angenommen, dass (zumindest die größeren) Verlage solchen Kram inzwischen auch einsetzen. Zumindest als zusätzliche Absicherung. Hm.

10 Februar, 2010 11:40  
Blogger Clio meint dazu ...

Vielleicht ist gerade dieser Arbeitsaufwand der Grund, warum man sich vertraglich absichert? Wenn es in anderen Unternehmen ähnlich ist wie bei uns, dann bleibt immer mehr Arbeit an immer weniger Lektoren hängen ... (und das ist sicher auch in anderen Unternehmen der Fall, die nichts mit dem Verlagswesen zu tun haben). Und wir lesen ja nicht nur; wir schreiben Werbetexte und korrigieren Werbematerialien; nehmen an Schulungen oder Konferenzen teilen; treffen uns mit potenziellen Autoren; präsentieren das Programm mehrmals im Jahr Vertretern oder Großkunden ... Für jedes Buch/Manuskript, das wir veröffentlichen, schreiben wir zwanzig, dreißig Absagen oder mehr an Autoren, deren Bücher/MS nicht gut genug sind. Natürlich macht das alles auch Spaß, aber die Lebenszeit ist begrenzt. :-)

10 Februar, 2010 12:57  

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